Concours 2026: Zwischen Heimat und Welt
Seit dem 22. Mai 2026 ist das Bewerbungsfenster für den Concours beim EDA geöffnet. Eine dreiteilige Serie widmet sich den besonderen Anforderungen und Chancen versetzbarer Laufbahnen. Im abschliessenden Teil kommen zwei EDA-Mitarbeitende zu Wort, die aus erster Hand berichten, wie es ist, alle drei bis vier Jahre beruflich und privat an einen neuen Ort aufzubrechen.

Umfangreiche Verhandlungen, regelmässige repräsentative Verpflichtungen sowie Einsätze in sich wandelnden politischen Situationen erfordern ein hohes Mass an Flexibilität, sowohl in der Freizeitgestaltung als auch im Familienleben. Samira Cizero Ntasano und Marco Andreu erzählen von ihrem Arbeits- und Lebensalltag als versetzbare Mitarbeitende des EDA und beleuchten die Chancen und Herausforderungen einer versetzbaren Karriere.

Was hat Sie ursprünglich dazu motiviert, Diplomatin zu werden?
Ich identifiziere mich stark mit der Schweizer Aussenpolitik und der Tradition der Guten Dienste, so wie mit unseren auf Kompromisse und Minderheitenschutz ausgerichteten Institutionen. Dies und Arbeitserfahrungen bei der UNO, innerhalb der Zivilgesellschaft und im EDA haben mich überzeugt, dass die diplomatische Laufbahn alles vereint, was ich beruflich anstrebe. Mein multikultureller Hintergrund, verbunden mit Lebens- und Berufserfahrungen auf verschiedenen Kontinenten, hatten zudem den Wunsch gefestigt, meine Schweizer Identität im Dialog mit anderen Kulturen zu leben. Die Versetzungspflicht sah ich somit als Chance, in meiner Heimat verwurzelt zu bleiben und gleichzeitig meinen persönlichen Horizont in neuen Kontexten zu erweitern und die Schweizer Aussenpolitik langfristig zu vertreten und mitzugestalten.
Wie gehen Ihre Kinder und Partner mit neuen Ländern und Kulturen um und wo liegen die grössten Schwierigkeiten?
Unsere aktuell noch relativ jungen Kinder (8 und bald 5) und mein Ehemann sind sehr offen und interessieren sich für neue Kulturen und Länder und reisen sehr gerne. Bis anhin haben sie sehr viele positive Erfahrungen gemacht und empfinden das Entdecken neuer Orte als Privileg. Gleichzeitig müssen sie auch die schwierigen Seiten der Versetzungen mittragen: das Verabschieden von engen Freundinnen und Freunden fällt unseren Kindern besonders schwer. Die Heimat ist auch für unsere Kinder klar die Schweiz und wir achten sehr darauf, regelmässig in die Schweiz zu reisen, die Kontakte mit unserem Umfeld zuhause zu pflegen und ihre Identität als Schweizerinnen zu festigen. Für mein Ehemann ist die grösste Herausforderung die Fortführung seiner Karriere trotz regelmässigen Ortswechseln. So hat er aufgrund der Versetzungspflicht auch schon auf berufliche Opportunitäten verzichtet.
Wie gestalten Sie als Familie den Übergang zwischen verschiedenen Ländern und Kulturen?
Bei uns zuhause läuft von Schweizer Kinderliedern à la Schwiizergoofe und det äne am Bärgli bis zu kongolesischer Rumba und Om Kalsoum alles. Nebst der Musik ist auch die Sprache ein wichtiger Faktor für uns. Wir sprechen mit den Kindern Schwyzerdütsch und Französisch. Das ist die Basis und auch sehr Identitätsbildend. Gleichzeitig vermitteln wir ihnen eine Offenheit und Neugierde im Umgang mit neuen Sprachen, Kulturen und Leuten. Als Familie sprechen wir über die wunderbaren und herausfordernden Elemente von neuen Ländern. In Kinshasa ist beispielsweise nebst der Armut und der Verschmutzung der Stadt auch der kulturelle Reichtum und die Fussbalnati ein Thema.
Was schätzen Sie persönlich daran, diesen Beruf gemeinsam mit Ihrer Familie zu erleben?
Ich empfinde es als enormes Privileg, mit meiner Familie so viele unterschiedliche Seiten der Welt entdecken zu können und gleichzeitig immer wieder in die Schweiz zurückzukehren. Dieser Lebensstil und das Teilen teilweise unglaublicher Erfahrungen haben uns als Familie wahrscheinlich noch mehr zusammengeschweisst.

Wie würden Sie Ihren Beruf jemandem erklären, der ihn noch nicht kennt?
Mein Job ist im Kern Übersetzungsarbeit: Es geht darum, komplexe Probleme in konkrete Lösungen zu überführen – von humanitärer Hilfe in Krisen bis zu besserer Berufsbildung oder Unterstützung für Gemeinden. Ich arbeite in Ländern der internationalen Zusammenarbeit – vom Globalen Süden bis Osteuropa. Man bewegt sich zwischen Feldarbeit und Sitzungszimmern, vermittelt zwischen lokalen Bedürfnissen, Partnerregierungen und internationalen Akteuren. Das heisst auch: viel Abstimmung – und formale Arbeit im Hintergrund. Am Ende zählt: Wo kann die Schweiz konkret einen positiven Unterschied machen?
Was unterscheidet die Erwartung vor dem Einsatz von der Realität vor Ort?
Vor dem Einsatz liest man Berichte und Bücher, schaut Dokus und denkt, dass man den Kontext einigermassen zu überblicken beginnt. Vor Ort verschiebt sich dann das Bild. Die grossen Linien stimmen oft, aber sie greifen zu kurz. Zusammenhänge, Handlungsspielräume und Spannungen zeigen sich anders: in Begegnungen und Routinen, in Beziehungsnetzen und impliziten Regeln – und in der dichten Textur des Alltags mit Geräuschen und Gerüchen sowie in der Art, wie gelebt und improvisiert wird. Genau dort beginnt das eigentliche Verstehen, oder erst recht die Verwirrung.
Wie gehen Sie mit Veränderungen in der Sicherheitslage um? Welche persönliche Eigenschaft hat Ihnen am meisten geholfen und welche mussten Sie erst lernen?
Ich stütze mich auf verlässliche Quellen und vermeide Doom-Scrolling – vieles, was kursiert, ist ungeprüft und schürt unnötig Ängste. Bei Sicherheit und Mobilität halte ich mich konsequent an die Einschätzungen der Repräsentation und Behörden. Geholfen haben mir Routinen: regelmässig laufen, feste Tagesstruktur, Pausen. Wichtig ist auch der Austausch mit Anderen – wir haben z.B. gemeinsam gekocht oder Movie-Nights gemacht. Lernen musste ich, dass man anspruchsvolle Sicherheitssituationen nicht nebenbei verarbeitet: zentral ist, bewusst Abstand zu nehmen und regelmässig das Land zu verlassen.
Bewerbung versetzbare Karrieren
Für die konsularische Karriere (Managementstufe) und Karriere Diplomatie läuft die Bewerbungsfrist vom 22. Mai bis 16. Juni 2026. Für die Karriere Diplomatie (Profil II) findet die Rekrutierung vom 18. Mai bis 01. Juni 2026 statt.
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