Die Guten Dienste der Schweiz – Mediation als Brücke zum Frieden
Von den stillen Räumen in Genf bis zu den Gesprächen in entlegenen Konfliktregionen: Wie die Schweiz als unparteiische Vermittlerin auf der Weltbühne agiert und Frieden gestaltet.
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Wenn Konflikte eskalieren und die Fronten verhärtet sind, braucht es Vermittlerinnen und Vermittler, die Vertrauen geniessen, über Expertise verfügen – und keine versteckten Interessen verfolgen. Genau hier kommen die Guten Dienste der Schweiz ins Spiel. Sie sind ein zentrales Instrument der Schweizer Aussenpolitik, ein Ausdruck ihrer humanitären Tradition und Unparteilichkeit. Sie leistet damit einen konkreten Beitrag zu einer friedlicheren und stabileren Welt.
Was sind die Guten Dienste?
Unter den Guten Diensten versteht man alle Aktivitäten der Schweiz, die dazu beitragen, internationale Spannungen zu verringern und Dialog zu ermöglichen. Sie gliedern sich in drei Hauptbereiche:
Mediation – Kernelement der Friedensförderung
Mediation, wie sie von der Schweiz verstanden und praktiziert wird, ist mehr als ein Tischgespräch mit einem unparteiischen Moderator. Es ist ein tiefgreifender, langfristiger Prozess, in dem Vertrauen aufgebaut, Kompromisse erarbeitet und nachhaltige Lösungen gefunden werden.
Ein Beispiel: Mosambik, ein Land, das nach einem blutigen Bürgerkrieg in den 1990er-Jahren ab 2013 erneut an den Rand eines bewaffneten Konflikts geriet. Zwischen 2017 und 2019 spielte die Schweiz eine entscheidende Rolle in den Verhandlungen zwischen der Regierung und der oppositionellen RENAMO. In enger Zusammenarbeit mit kirchlichen Akteuren und unter Wahrung strengster Diskretion gelang es, einen Friedensvertrag auszuhandeln. Dabei stellte die Schweiz Expertenwissen zur Verfügung, half den Verhandlungsprozess zu strukturieren, hielt den Kontakt zu beiden Parteien aufrecht und sorgte somit für ein Umfeld, in dem beide Seiten auf Augenhöhe verhandeln konnten.

In einem anderen Kontext, Kolumbien, setzt sich die Schweiz seit mehr als 20 Jahren für einen nachhaltigen und inklusiven Friedensprozess ein. So hat sie die Aushandlung des Friedensabkommens mit der Rebellengruppe FARC-EP von 2016 unterstützt, und hilft seither bei dessen Umsetzung. Auf Anfrage der Regierung und der Parteien begleitet die Schweiz die Friedensverhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und der Rebellengruppe ELN (Ejército de Liberación Nacional), sowie jene mit dem EMBF FARC-EP (Estado Mayor de los Bloques y Frentes) und jene mit der CNEB (Coordinadora Nacional Ejército Bolivariano). Schweizer Vermittlerinnen und Vermittler sind an allen Verhandlungen präsent, unterstützen die Parteien bei der Suche nach Lösungen und stellen auf Anfrage technische Expertise zur Verfügung, beispielsweise in den Bereichen Waffenstillstand und Prozessdesign.
Warum gerade die Schweiz?
Was macht die Schweiz zu einer gefragten Vermittlerin? Es ist nicht nur ihre Unparteilichkeit. Es ist auch die Kultur des Konsenses, tief verankert in der eigenen politischen Struktur. Der Bundesrat trifft Entscheidungen im Kollegium, Minderheiten werden eingebunden, vier Landessprachen und unterschiedliche religiöse Traditionen bilden das Fundament einer Gesellschaft, die Vielfalt nicht als Belastung, sondern als Stärke versteht.
Hinzu kommt die weltweite Präsenz: Mit 170 Vertretungen in mehr als 100 Ländern verfügt die Schweiz über ein dichtes diplomatisches Netzwerk. In etwa 20 dieser Länder sind sogenannte Human Security Advisers tätig – Spezialistinnen und Spezialisten für Friedensförderung, die sich mit den lokalen Gegebenheiten bestens auskennen und Friedensprozesse vor Ort begleiten.
Die Abteilung Frieden und Menschenrechte im EDA ist in Bern die Drehscheibe für die Koordination der der aussenpolitischen Friedensarbeit der Schweiz. Dort arbeiten Expertinnen und Experten zu Konflikten weltweit an massgeschneiderten Lösungen und unterstützen die Schweizer Vertretungen mit Fachwissen zu Themen wie Waffenstillständen, Machtteilung oder Vergangenheitsbewältigung.
Mediation in all ihren Facetten
Schweizer Mediation ist kein starres Format, sondern umfasst flexible Instrumente, die sich der jeweiligen Konfliktdynamik vor Ort anpassen.
So kann die Schweiz...
- selbst mediieren, also den Friedensprozess leiten und gemeinsam mit den Parteien konkrete Lösungsoptionen erarbeiten;
- unterstützen, etwa durch technische Expertise bei von der UNO oder der Afrikanischen Union geführten Prozessen;
- Verhandlungen vorbereiten, durch Coaching der Konfliktparteien und Beratung im Hinblick auf Verhandlungsstrategien;
- Dialoge strukturieren, um Missverständnisse zu verhindern und gegenseitiges Verständnis zu fördern.
Dabei verfolgt die Schweiz einen pragmatischen und prinzipientreuen Ansatz: Diskretion, Geduld, Unparteilichkeit, interkulturelle Sensibilität und der Einsatz für internationales Recht sind tragende Säulen der Schweizer Vermittlungsarbeit. Besonders wichtig ist zudem die Einbindung von Frauen und zivilgesellschaftlichen Akteuren – ein Aspekt, der in vielen Kontexten für die Nachhaltigkeit von Friedensabkommen zentral ist.
Genf – ein Zentrum für Frieden
International Geneva – das ist nicht nur ein Begriff, sondern gelebte Realität. In der Stadt am Genfersee sind viele wichtige Akteure an einem Ort vereint: UNO-Organisationen, NGOs, Think Tanks, diplomatische Vertretungen – sie alle schaffen ein Ökosystem, das die Chancen für erfolgreiche Mediation stärkt. Genf ist nicht nur logistisch hervorragend ausgestattet, sondern auch ein neutraler Boden, auf dem Vertrauen gedeiht.

Frieden als Auftrag und Haltung
Drei von vier Schweizerinnen und Schweizern wünschen sich gemäss Studien, dass sich unser Land noch stärker für Frieden einsetzt. Die Guten Dienste und insbesondere die Mediation zeigen, wie dies konkret geschieht – durch Zuhören, durch Expertise, durch Beharrlichkeit. Darüber hinaus erfüllt die Schweiz mit ihren Guten Diensten einen Auftrag der Bundesverfassung und leistet somit einen Beitrag zu einem «friedlichen Zusammenleben der Völker», was wiederum stabilen internationalen Strukturen zuguten kommt, auf welche die Schweiz als exportorientiertes Land angewiesen ist.
In einer Welt voller Spannungen und Unsicherheiten ist die Schweiz ein leiser, aber kraftvoller Akteur des Friedens. Nicht durch grosse Reden, sondern durch stille Gespräche, tragfähige Kompromisse und nachhaltige Lösungen. Genau das macht ihre Rolle so wertvoll.
Kommunikation EDA
3003 Bern
