Polarregionen
Eine friedliche, stabile und nachhaltige Entwicklung der Polarregionen ist im Interesse der Schweiz. Das EDA vertritt die Schweiz im Arktischen Rat, in dem sie seit 2017 einen Beobachterstatus hat.

Die Polarregionen rücken aufgrund ihrer strategischen Lage und ihrer Fragilität immer stärker in den Fokus der geopolitischen Aufmerksamkeit und werden zunehmend zu Schlüsselindikatoren für die Klimaerwärmung. Die Situation in der Arktis ist von besonderem Interesse, nicht nur für die Region selbst. In der Arktis liegt die Erwärmung über dem globalen Durchschnitt. Die rasante Entwicklung bringt neue ökologische, wirtschaftliche, strategische und politische Herausforderungen mit sich. Fortschritte sind nur durch internationale Zusammenarbeit und weltweite Ansätze möglich. Die Wissenschaft spielt insofern eine wichtige Rolle, als sie die Mechanismen des Planeten und die Auswirkungen des Klimawandels zu erklären vermag. Durch ihre langjährige Erfahrung und ihr Fachwissen in der Polarforschung kann die Schweiz zu einem besseren Verständnis der Veränderungen und zu einer friedlichen multilateralen Zusammenarbeit beitragen.
Engagement der Schweiz
Das Engagement der Schweiz in den Polarregionen beruht auf vier eng miteinander verbundenen Pfeilern: Wissenschaftsdiplomatie, internationale Zusammenarbeit, Gouvernanz und Nachhaltigkeit. Die Wissenschaftsdiplomatie spielt eine zentrale Rolle: Sie fördert den Dialog und trägt zur Erarbeitung neuer politischer Massnahmen bei. Parallel dazu fördert die internationale Zusammenarbeit die Entwicklung gemeinsamer Lösungen mit globalen und regionalen Partnern. Der Beobachterstatus im Arktischen Rat und ihr Fachwissen in der Polarforschung ermöglichen der Schweiz eine verstärkte Unterstützung von Initiativen in der Arktis. Zudem hat die Maritime Strategie 2023–2027 zum Ziel, die internationale Meeresforschung in den Polarregionen zu fördern und den Schutz und die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen dieser Regionen sicherzustellen. Dieses Engagement steht auch in Einklang mit der UNO-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, die einen wichtigen globalen Rahmen bildet, um die weltweiten gemeinsamen Herausforderungen zu antizipieren und Lösungen für die immer wärmer werdende Arktis zu entwickeln.
Arktischer Rat und Antarktis-Vertrag
Der Arktische Rat ist das führende zwischenstaatliche Forum für die Zusammenarbeit bei gemeinsamen Arktisfragen, insbesondere im Hinblick auf nachhaltige Entwicklung und Umweltschutz. 2017 erhielt die Schweiz den Beobachterstatus im Arktischen Rat. Seither setzt sie sich gemeinsam mit den acht Arktisstaaten, den Vertreterinnen und Vertretern der indigenen Bevölkerung und den anderen Beobachterstaaten aktiv dafür ein, die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu verbessern und die ökologischen und sozioökonomischen Auswirkungen der Veränderungen in der Arktis abzuschwächen. Durch die Teilnahme von Schweizer Fachpersonen an den verschiedenen Formaten und Arbeitsgruppen des Arktischen Rates kann die Schweiz an der Gestaltung der Umweltpolitik und der Förderung des Schutzes der Arktis mitwirken und gleichzeitig den Dialog zwischen Wissenschaft und Diplomatie fördern.
Der Antarktis-Vertrag wurde 1959 unterzeichnet; die Schweiz trat ihm 1990 bei. Er legt fest, dass die Antarktis ausschliesslich für friedliche Zwecke genutzt werden darf. Dadurch bleibt der ganze Kontinent der wissenschaftlichen Forschung und der internationalen Zusammenarbeit vorbehalten. 2017 hat die Schweiz das Umweltschutzprotokoll zum Antarktis-Vertrag ratifiziert und setzt sich damit für die friedliche und nachhaltige Nutzung der Antarktis ein.
In Zusammenarbeit mit dem Eidgenössischen Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) und dem dazugehörigen Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) sowie mit dem Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) koordiniert das EDA die Teilnahme der Schweiz am Arktischen Rat sowie an den Konsultativtagungen zum Antarktis-Vertrag. Auch die Schweizerische Kommission für Polar- und Höhenforschung (SKPH) der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz und das Swiss Polar Institute unterstützen diese Koordination.
Polarforschung
Die wissenschaftliche Erforschung der Kryosphäre (Gebiete mit Wasser in Form von Eis oder Schnee) ist für das Alpenland Schweiz, das durch Gletscher und Eis geformt wurde und aus Bergketten mit schwindenden Gletschern besteht, von grosser Bedeutung. Die Polar- und die Höhenforschung sind eng miteinander verwandt. In den Alpen sind ähnliche Veränderungen zu beobachten wie in den Polarregionen. Die Schweizer Forschungsgemeinschaft ist ein Bindeglied zwischen dem Know-how in der Höhenforschung und den Kenntnissen zu den Polarregionen. Die Schweiz verfügt über hervorragende Kenntnisse in der Erforschung der klimatischen Bedingungen und der Ökosysteme in Berg- und Polarregionen, die beispielsweise genutzt werden können, um die Auswirkungen der vom Menschen verursachten Veränderungen auf die Umwelt und das globale Klima zu messen. Für die Forschung wurden interdisziplinäre Ziele festgelegt, die dank der internationalen Zusammenarbeit und verschiedenen Multi-Stakeholder-Kooperationen sowie über internationale Wissenschaftsprogramme wie etwa im Rahmen des International Arctic Science Committee (IASC) und des Scientific Committee on Antarctic Research (SCAR) erreicht werden. Seit 2016 können Forschende aus der Schweiz, die in Polarregionen und hochgelegenen Gebieten tätig sind, vom Swiss Polar Institute, das vom Bund als Forschungsinstitut von nationaler Bedeutung anerkannt ist, unterstützt werden.
Kontakt
Staatssekretariat STS-EDA
Abteilung Wohlstand und Nachhaltigkeit
Bundesgasse 28
3003 Bern