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Veröffentlicht am 1. Februar 2026

Suche nach vermissten Personen

Zehntausende von Menschen verschwinden jedes Jahr aufgrund bewaffneter Konflikte, Gewaltsituationen, Naturkatastrophen und Krisen sowie auf Migrationsrouten. Die Schweiz will die Prävention verstärken, damit Menschen gar nicht erst verschwinden, und setzt sich dafür ein, die Suche nach Vermissten zu verbessern und Familien wieder zusammenzuführen.

Ein IKRK-Mitarbeiter hilft einer Familie aus Luhansk bei der Suche nach einem vermissten Angehörigen.

Die Tatsache, dass jedes Jahr unzählige Menschen verschwinden, stellt nicht nur eine humanitäre Tragödie für die Angehörigen dar. Wenn infolge bewaffneter Konflikte, Katastrophen oder Migrationsbewegungen Personen verschwinden, kann dies ebenfalls soziale Missstände verstärken, das Vertrauen erschüttern und den Wiederaufbau nach Krisen und Konflikten erschweren.

Die Umstände, durch die Menschen verschwinden, sind vielfältig: Manche verlieren auf der Flucht vor bewaffneten Konflikten den Kontakt zu ihren Angehörigen; andere werden willkürlich verhaftet oder befinden sich in Gefangenschaft ohne Kontakt zur Aussenwelt. Wieder andere werden niemals gefunden, da sie auf dem Schlachtfeld zurückgelassen oder ohne Dokumentation und Identifizierung begraben werden.

Das Verschwinden von Personen ist ein weltweites Phänomen mit verheerenden und langanhaltenden Auswirkungen auf Familien und ganze Gesellschaften. Wenn ein geliebter Mensch verschwindet, kann die Ungewissheit über sein Schicksal bei den Angehörigen zu einem schweren psychischen Trauma führen. In etlichen Ländern sehen sich die Angehörigen von Vermissten zudem mit erheblichen rechtlichen, finanziellen und administrativen Hürden konfrontiert.

Die Problematik wirkt sich ausserdem massgeblich auf Friedensprozesse aus. Das Verschwinden von Personen behindert Versöhnungsbemühungen oft über Jahrzehnte. Um mit der Vergangenheit abschliessen und einen Schritt in Richtung nachhaltigen Frieden tun zu können, muss eine Gesellschaft das Schicksal ihrer vermissten Mitglieder kennen.

Bis vor Kurzem erhielt diese verborgene Tragödie nicht genügend Aufmerksamkeit von Seiten der Staatengemeinschaft. Als Teil ihres Engagements für die Stärkung des humanitären Völkerrechts und der Menschenrechte, setzt sich die Schweiz dafür ein, dass die Thematik an Visibilität gewinnt und konkrete Massnahmen umgesetzt werden, damit weltweit weniger Personen verschwinden. Sollte es dennoch zu Fällen von Vermissten kommen, sollen Massnahmen eingeleitet werden, um deren Verbleib aufzuklären und ihre Familien zu informieren.

Die Schweiz betätigt sich sowohl auf der multilateralen Ebene als auch in verschiedenen geografischen Kontexten für die Suche nach vermissten Personen und deren Identifikation. Zu den Schwerpunktländern und -regionen gehören unter anderem die Ukraine, der Kaukasus, Kolumbien, Sri Lanka und der Nahe Osten. Die Schweiz unterstützt zudem den Zentralen Suchdienst des IKRK, einen wichtigen Pfeiler ihrer humanitären Tradition und hat 2021 die Global Alliance for the Missing gegründet.

Global Alliance for the Missing

Um Fälle vermisster Personen zu verhindern oder angemessen darauf zu reagieren, sind politischer Wille und eine enge Zusammenarbeit sowohl zwischen Staaten als auch mit nicht-staatlichen Akteuren entscheidend. Ebenso zentral ist ein wirksamer rechtlicher und institutioneller Rahmen, sowie die Stärkung technischer Ressourcen und der Wissensaustausch zwischen jenen, die sich mit der Problematik vermisster Personen befassen.

Logo der Global Alliance for the Missing.

Zu diesem Zweck haben die Schweiz und das IKRK 2021 die Global Alliance for the Missing lanciert. Die Allianz, die aus 13 Staaten weltweit besteht, verfolgt das Ziel, ihre kollektiven diplomatischen, politischen und finanziellen Möglichkeiten zu nutzen, um die Prävention zu stärken und gleichzeitig die getroffenen Massnahmen auf Fälle vermisster Personen zu verbessern. Als Co-Vorsitzende der Allianz setzt sich die Schweiz dafür ein, dass die Problematik sowohl auf multilateraler, als auch auf regionaler Ebene sichtbar bleibt und die Bedürfnisse der Familienangehörigen berücksichtigt werden.

Network of National Focal Points for Missing Migrants

Auf der Suche nach einer besseren Zukunft begeben sich Menschen auf immer gefährlichere Migrationsrouten. Die Zahl von vermissten und toten Migrierenden steigt. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind zwischen 2014 und 2024 weltweit mehr als 70’000 Menschen auf Migrationsrouten gestorben oder verschwunden. Knapp die Hälfte davon verschwand auf der zentralen Mittelmeerroute. Die tatsächlichen Zahlen dürften jedoch höher liegen, da es eine erhebliche Dunkelziffer gibt.

Die Schweiz hat gemeinsam mit Gambia die humanitäre Tragödie der vermissten Migrierenden auf die Agenda des Raba Prozesses – dem Euro-Afrikanischen Dialog über Migration und Entwicklung – gebracht. Dieser vereint rund 60 Herkunfts-, Transit- und Zielländer entlang der Migrationsrouten, welche Zentral-, West- und Nordafrika mit Europa verlinken. Gemeinsam mit dem IKRK und Gambia hat die Schweiz 2024 in diesem Rahmen ein Netzwerk für nationale Focal Points für vermisste Migrierende lanciert mit dem Ziel die grenzüberschreitende Suche und Identifikation von vermissten Migrierenden zu erleichtern.

Eine Drohne mit LiDAR-Technologie schwebt über einem Feld.

25. Oktober 2024

Ins Licht der Gewissheit

Im Rahmen eines Mandats der AFM reiste im Oktober eine Expertengruppe der ESC nach Serbien und Kosovo, um den Einsatz neuer Technologien bei der Suche nach vermissten Personen zu prüfen.

Auf einem Tisch liegen Familienfotos, dahinter füllt eine Person ein Formular des IKRK aus.

25. Oktober 2023

Suche und Identifikation von vermissten Personen ist fundamental für den Wiederaufbau eines Landes

Die Ukraine, Kosovo und der Nahe Osten gehören zu den Schwerpunktländern und -regionen des Schweizer Engagements im Bereich vermisste Personen.

Rea Gehring und Sonya Elmer, zwei Mitarbeiterinnen der AFM, in einer Interviewsituation.

22. Februar 2024

«Eine der grössten Herausforderungen der Ukraine in Bezug auf vermisste Personen sind die zahlreichen zu bearbeitenden Fälle»

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Das Bild, schwarz-weiss, zeigt einen Büroraum im Jahr 1974. Die Tische sind vollgestellt mit Karteikästen inkl. Karteikarten. Acht Personen arbeiten konzentriert daran.

11. Mai 2021

Vermisst, gefunden, wieder daheim: Das stärkt die Gesellschaft und stiftet Frieden

Entwicklung des Rotkreuz-Suchdienstes, sein 150-jährigen Bestehen und die weitere Unterstützung durch die Schweiz in ihrer humanitären Tradition.

Kontakt

Sektion Humanitäre Diplomatie
Staatssekretariat STS-EDA
Abteilung Frieden und Menschenrechte
Effingerstrasse 27
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