Medikamente gegen tödliche Krankheiten ermöglichen. Die DEZA unterstützt.

Jahrzehnte schlummerte ein effektives Gegenmittel gegen die tödliche Schlafkrankheit in den Archiven von Sanofi. Mit Unterstützung der Deza wurde das Gegenmittel von der «Drugs for Neglected Diseases Initiative» (DNDi) wiederentdeckt und ein vergleichsweise günstiges, einfach zu verabreichendes und gut verträgliches Medikament entwickelt.

Eine Hand hält eine lebensrettende weisse Pille zwischen Zeigfinger und Daumen.

Ohne Gewinnaussichten werden keine Medikamente für tödliche Krankheiten im globalen Süden produziert. Da versucht die DEZA anzusetzen. © DNDi

Was macht ein erfolgreiches Produkt auf dem Markt aus? Es muss ein Problem lösen, sprich für die Kundinnen und Kundeneinen Wert haben. Das ist die Nachfrageseite. Damit die Nachfrage durch ein entsprechendes Angebot von Privaten gestillt wird, muss das Produkt Geld abwerfen. Es kommt aber vor, dass sich Entwicklung, Produktion und Vertrieb des Produkts nicht lohnen. Zum Beispiel, wenn die Kundinnen und Kunden nichts oder nur sehr wenig bezahlen können. Dann kann der Markt versagen. Dieses Phänomen ist bei Krankheiten, unter denen Millionen von Menschen in ärmeren Ländern leiden, immer wieder zu beobachten. Die Folge: Millionen Kranke und Tote.

Hier möchte die DEZA ansetzen. Systemisches Marktversagen soll korrigiert werden. Dabei soll das private Engagement nicht ersetzt, sondern ergänzt werden. Privates, staatliches, wissenschaftliches und zivilgesellschaftliches Engagement wird zusammengebracht, damit Medikamente für Millionen von Menschen bereitgestellt werden.

Wie das funktioniert, lässt sich exemplarisch am Beispiel der «Drugs for Neglected Diseases Initiative» (DNDi) zeigen. Diese NGO mit Sitz in Genf wurde seit ihrer Gründung 2013 von der DEZA mit 24 Millionen Franken unterstützt. In dieser Zeit förderte DNDi die Entwicklung von 13 Behandlungen für tödliche, aber vernachlässigte Krankheiten. Millionen von Menschenleben konnten so gerettet werden.

Fexinidazol ist eine dieser Behandlungen. Die Suche nach einem neuen Heilmittel gegen die tödliche Schlafkrankheit begann 2005. DNDi initiierte mit dem Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut eine umfassende Suche nach Wirkstoffen gegen Parasiten. Bewusst suchten sie in Datenbanken und Archiven nach «vergessenen» Wirkstoffen. So wurde Fexinidazol wiederentdeckt, dessen präklinische Entwicklung in den 1970er Jahren von Hoechst (heute Sanofi) begonnen, aber nie zu Ende gebracht wurde. DNDi nahm in Zusammenarbeit mit Sanofi die Weiterentwicklung auf. Die ersten klinischen Studien an Probandinnen und Probanden begannen 2009. Bis im Juni 2019 wurde Fexinidazol in die Liste der unentbehrlichen Arzneimittel für Kinder und Erwachsene der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aufgenommen.

Dazwischen wurden mehr als zwei Millionen Menschen im Rahmen von drei klinischen Studien auf die Schlafkrankheit untersucht. In die klinischen Studien wurden 749 Patientinnen und Patienten in der Demokratischen Republik Kongo und der Zentralafrikanischen Republik aufgenommen.

Krank sein muss man sich leisten können

Die Diagnose Schlafkrankheit bedeutete früher einen wochenlangen Krankenhausaufenthalt mit erheblichen Kosten. Hinzu kam in dieser Zeit der Erwerbsausfall. Ganze Familien kamen so schnell in existentielle Nöte. Die neu entwickelten Medikamente sind nicht nur einfacher zu verabreichen, sondern erfordern auch keinen Krankenhausaufenthalt mehr.

Doch warum wurde der ganze Aufwand betrieben? Schliesslich existiert mit Melarsopol seit 1949 ein Medikament gegen die Schlafkrankheit. Melarsopol wirkt zwar gegen die Schlafkrankheit, doch hat es erhebliche Nebenwirkungen. Und in 5-10 Prozent sind die Nebenwirkungen sogar tödlich. Eflornithin, das seit den 1980er Jahren existiert, ist ein weiteres wirksames Mittel gegen die Schlafkrankheit. Doch die Kommerzialisierung in Afrika lohnt sich für Pharmaunternehmen finanziell nicht. Zu aufwendig sind Transport und Lagerung des empfindlichen Wirkstoffs. Ähnlich aufwendig ist die Verabreichung. Dafür sind 14 Tage Krankenhausaufenthalt und 56 intravenöse Infusionen erforderlich. In Europa hingegen wird der Wirkstoff in einem Kosmetikprodukt gegen Haarwuchs bei Frauen verkauft.

Die Geschichte der Schlafkrankheit

Die Zahl der Toten konnte seit den 40er Jahren von über 50 Tausend auf heute ein paar Hundert reduziert werden.
Die sytematische Bekämpfung der Schlafkrankheit kann die Zahl der Toten pro Jahr stark reduzieren. Doch nur ein Medikament kann das Problem langfristig lösen. © DNDi

Im März 2020 schliesslich, nach über zehn Jahren, konnte in der Demokratischen Republik Kongo der erste Patient ausserhalb einer klinischen Studie behandelt werden. Im Unterschied zu den bisherigen Medikamenten kann Flexinidazol eigenständig von den Patientinnen und Patienten oral in Form einer Tablette eingenommen werden. Darüber hinaus sind der Transport und die Lagerung vergleichsweise einfach. So können auch abgelegene Regionen versorgt werden.

Heute gilt es vor allem, Fexinidazol tatsächlich verfügbar zu machen. Gemeinsam mit der WHO und der Unterstützung von Sanofi treibt DNDi die Schulung und – ebenso wichtig – die Aktualisierung nationaler Behandlungs- und pharmazeutischen Überwachungsrichtlinien in Angola, der Zentralafrikanischen Republik, der Demokratischen Republik Kongo, Guinea und dem Südsudan voran.

Gelingt das Vorhaben, dann kann das ein entscheidender Schritt in Richtung der Ausrottung der tödlichen Krankheit sein.

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