Bilaterale Beziehungen Schweiz–Rumänien

Die schweizerisch-rumänischen Beziehungen sind gut und freundschaftlich. Der politische, wirtschaftliche und kulturelle Austausch ist dynamisch und intensiv. Als Mitglied der Europäischen Union (EU) zählte Rumänien zu den Empfängerländern des Schweizer Beitrags zur Verringerung der wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten in der erweiterten EU.

Schwerpunkte der diplomatischen Beziehungen

Die Schweiz und Rumänien pflegen gute diplomatische Beziehungen. Die bilateralen Kontakte intensivierten sich in den letzten Jahren. So weilte Staatspräsident Klaus Werner Iohannis im September 2021 zum Besuch in der Schweiz, während Bundespräsident Alain Berset Anfang November 2018 von Staatspräsident Klaus Werner Iohannis zum Staatsbesuch in Rumänien empfangen wurde.

Seit Ende des kommunistischen Regimes bemüht sich die Schweiz, den Übergang zu Demokratie und Marktwirtschaft zu unterstützen. Zwischen 2011 und 2019 lag einer der Schwerpunkte der bilateralen Beziehungen auf der engen Kooperation im Rahmen des Schweizer Erweiterungsbeitrags.

Die beiden Länder verbindet ein Doppelbesteuerungsabkommen sowie ein Abkommen über die Förderung und den Schutz von Investitionen. Seit dem Beitritt Rumäniens zur EU gelten die bilateralen Abkommen zwischen der Schweiz und der EU auch für Rumänien.

Datenbank Staatsverträge

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

Rumänien und die Schweiz pflegen ausgezeichnete bilaterale Handelsbeziehungen.

Rumänien ist der bedeutendste Handelspartner der Schweiz in Südosteuropa. Mit einem Investitionsvolumen von 4,3 Milliarden Euro war die Schweiz im Jahr 2019 die siebtgrösste ausländische Investorin in Rumänien. Das Handelsvolumen zwischen der Schweiz und Rumänien betrug im Jahr 2020 rund 2,2 Milliarden Franken.

Auf wirtschaftlicher Ebene wird es für Schweizer Unternehmer immer interessanter, in Rumänien zu investieren. 

Handelsförderung, Switzerland Global Enterprise

Länderinformationen, Staatssekretariat für Wirtschaft SECO

Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation

Die Schweiz unterstützt über das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) das «New European College» in Bukarest. Es handelt sich um ein unabhängiges rumänisches Institute for Advanced Studies in Sozial- und Geisteswissenschaften.

Forschende und Kulturschaffende aus Rumänien können sich beim SBFI um Bundes-Exzellenz-Stipendien bewerben, und junge Berufsleute können dank des sogenannten Stagiaires-Abkommens ihre Berufs- und Sprachkenntnisse in der Schweiz erweitern.

Bundes-Exzellenz-Stipendien für ausländische Forschende und Kunstschaffende, SBFI

Junge Berufsleute, Staatssekretariat für Migration SEM

Friedensförderung und menschliche Sicherheit

Die polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit ist ein wichtiges Element der bilateralen Beziehungen: Rumänien und die Schweiz verbindet seit 2007 ein Abkommen über die Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus und das organisierte Verbrechen. Im Januar 2012 wurde eine Arbeitsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern beider Länder zur Bekämpfung des Menschenhandels eingesetzt. Auf der Grundlage des Abkommens ist ein rumänischer Polizeiattaché auf der rumänischen Botschaft in Bern stationiert, um die polizeiliche Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern zu verbessern.

Der Schweizer Erweiterungsbeitrag

Rumänien gehörte zu den Ländern, die im Rahmen des Schweizer Erweiterungsbeitrags Unterstützung erhielten. Bis 2019 hat die Schweiz in Rumänien mit 181 Millionen CHF zur erfolgreichen Umsetzung von 17 Projekten und sieben thematischen Fonds beigetragen. Die ursprünglich definierten Projektziele wurden mehrheitlich erreicht und teilweise sogar übertroffen. Rumänien gehört auch zu den Empfängern des zweiten Schweizer Beitrags.

Die Thematischen Fonds zu den Schwerpunkten Sicherheit, Zivilgesellschaft, Partnerschaften, Integration von Roma, Gesundheit sowie Forschung und Stipendien werden von Schweizer Institutionen verwaltet. 

Rumänien – Partnerland des Schweizer Erweiterungsbeitrags

Schweizerinnen und Schweizer in Rumänien

Ende 2020 lebten gemäss der Auslandschweizerstatistik 589 Schweizerinnen und Schweizer in Rumänien. 

Kulturaustausch

Die Schweizer Botschaft, Pro Helvetia sowie das Zentrum für Kulturaussenpolitik des Bunds sind die Hauptakteure der Schweizer Kultur in Rumänien. Anlässlich der Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den beiden Ländern im Jahr 2011 konnte die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen schweizerischen und rumänischen Institutionen ausgebaut werden. 

Geschichte der bilateralen Beziehungen

Die offiziellen Beziehungen zwischen Rumänien und der Schweiz entwickelten sich erst, nachdem die Unabhängigkeit Rumäniens am 10.6.1880 von der Schweiz anerkannt worden war. Die beiden Länder unterzeichneten einen Handelsvertrag, der dazu führte, dass sich ab dem 19. Jahrhundert zahlreiche Schweizer Unternehmen in Rumänien niederliessen.

Das 1905 eröffnete rumänische Konsulat in Bern wurde 1911 in eine Gesandtschaft umgewandelt. 1916 eröffnete der Bundesrat die Schweizer Gesandtschaft in Bukarest. Die Unterzeichnung von Clearingabkommen in den 1930er-Jahren begünstigte die Schweizer Importe.

In der Zeit des Kommunismus kühlten sich die Beziehungen ab. 1955 gerieten sie in eine Krise, als Exilrumäninnen und -rumänen versuchten, die rumänische Botschaft in Bern zu stürmen. Der Versuch löste eine Pressekampagne gegen die Schweiz und Verschärfungen der Reisebestimmungen für rumänische Staatsangehörige aus, die in die Schweiz reisen wollten. 1962 wurde der Status der Schweizer Gesandtschaft auf Botschaftsrang angehoben.

Das Ende des Kalten Krieges und die Ereignisse vom Dezember 1989 belebten die Beziehungen zur Schweiz neu. 

Rumänien, Historisches Lexikon der Schweiz