Bilaterale Beziehungen Schweiz–Türkei

Zwischen der Schweiz und der Republik Türkei bestehen enge und vielfältige Beziehungen, die durch einen regelmässigen hochrangigen politischen Dialog und durch intensive Wirtschafts- und Handelsbeziehungen geprägt sind. Die grosse Diaspora aus der Türkei übernimmt in der Schweiz eine wichtige Brückenbauerfunktion.

Schwerpunkte der diplomatischen Beziehungen

Der letzte offizielle Besuch eines türkischen Aussenministers in der Schweiz fand am 23. März 2017 statt.

Die Beziehungen zwischen der Schweiz und der Türkei sind ab 2008 deutlich enger geworden und die Anzahl hochrangiger Besuche hat zugenommen. 2008 fand der erste Besuch eines Bundespräsidenten (Alt-Bundesrat Pascal Couchepin) in der Türkei statt. 2010 besuchte mit Abdullah Gül zum ersten Mal ein türkischer Präsident die Schweiz. An jährlichen politischen Konsultationen auf Ebene Staatssekretär und konsularischen Konsultationen (seit 2009) sowie regelmässigen Treffen werden Fragen der Sicherheit, Wirtschaft,, und Migration in einem kritisch-konstruktiven Dialog erörtert.

Datenbank Staatsverträge

Regierung der Türkei (en)

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

2019 betrug das Handelsvolumen rund 5 Milliarden CHF, womit die Türkei Rang 20 der wichtigsten Handelspartner der Schweiz belegt. Das Investitionsvolumen der Schweiz in der Türkei belief sich 2018 auf 2,3 Milliarden CHF, was rund 16'000 Arbeitsplätze in der Türkei generiert. Die Schweiz stand 2018 an achter Stelle der wichtigsten internationalen Investoren in der Türkei.

Die Türkei ist eine wichtige Feriendestination; 2019 besuchten über 278‘000 Schweizer Touristinnen und Touristen das Land.

Für einen geregelten Wirtschaftsaustausch verfügen die Schweiz und die Türkei als Instrumente das Investitionsschutzabkommen vom 3. März 1988 und das Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung, das am 1. Januar 2013 in Kraft getreten ist.

Handelsförderung, Switzerland Global Enterprise SGE

Länderinformationen, Staatssekretariat für Wirtschaft SECO

ESTV: Fachinformationen Türkei

Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation

Im Forschungsbereich arbeiten die Schweiz und die Türkei hauptsächlich im Rahmen des Forschungsrahmenprogramms der EU zusammen, an dem beide als assoziierte Länder beteiligt sind. Im laufenden achten EU-Forschungsrahmenprogramm (Horizon 2020) kooperieren schweizerische und türkische Forschungsteams bis anhin in 121 Projekten. Am stärksten ausgeprägt ist die Vernetzung in den Bereichen Forschungsinfrastruktur und Energie.

Die Türkei ist auch Begünstigter von Bundes-Exzellenz-Stipendien (ESKAS). Seit 1961 erhielten Türkische Forschende 184 Stipendien für einen Forschungsaufenthalt, ein Doktorat oder einen Postdoc in der Schweiz.

Bundes-Exzellenz-Stipendien für ausländische Forschende und Kunstschaffende, SBFI

Friedensförderung und menschliche Sicherheit

Menschenrechtsfragen werden mit der Türkei im bilateralen Dialog auf politischer Ebene thematisiert. Die Schweiz unterstützt zudem Menschenrechtsprojekte vor Ort.

Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe

Seit 2011 hat die Schweiz Hilfeleistungen an die Opfer der Syrienkrise in der Höhe von über 484 Millionen CHF getätigt (Projekte in Syrien, Libanon, Irak, Jordanien und der Türkei). In der Türkei leben fast 4 Millionen Flüchtlinge, die hauptsächlich aus Syrien stammen. Zur Bewältigung der Flüchtlingskrise unterstützt die Schweiz in der Region, mit einem Fokus auf die Türkei und den Libanon, migrationsbezogene Projekte mit jährlich rund 2,5 Millionen Franken.

Das Engagement der Schweiz in Syrien und der Region

Schweizerinnen und Schweizer in der Türkei

Ende 2019 lebten gemäss Auslandschweizerstatistik 4863 Schweizerinnen und Schweizer in der Türkei.

Geschichte der bilateralen Beziehungen

Die Beziehungen zwischen der Schweiz und der Türkei entwickelten sich ab dem 19. Jahrhundert und wurden zunehmend enger.  Bedeutend sind dabei zwei für die Türkei grundlegende Staatsverträge, die in der Schweiz unterzeichnet wurden.

Wichtige Eckdaten:

  • 1899: Eröffnung der ersten Vertretung (Gesandtschaft) des Osmanischen Reichs in Bern.
  • 1923: Erste offizielle bilaterale Kontakte am Rande der Friedenskonferenz in Lausanne. Der dabei unterzeichnete Friedensvertrag gilt als Geburtsurkunde der modernen Türkei.
  • 1925: Übergabe des Beglaubigungsschreibens des ersten Vertreters der Türkei. Abschluss eines bilateralen Freundschaftsvertrags..
  • 1926: Die Türkei übernimmt weitgehend das Zivilgesetzbuch und das Obligationenrecht der Schweiz.
  • 1928: Aufnahme von diplomatischen Beziehungen: die Schweiz eröffnet in Istanbul eine Gesandtschaft.
  • 1936: Die Türkei erlangt mit Abschluss des Vertrags von Montreux volle Souveränität über die Dardanellen und den Bosporus.
  • 1937: Verlegung der Gesandtschaft nach Ankara.
  • 1957: Aufwertung in eine Botschaft.
  • 2008: Die Schweiz schenkt der Türkei den Tisch, an dem der Friedensvertrag von Lausanne unterzeichnet wurde.

Türkei, Historisches Lexikon der Schweiz

Diplomatische Dokumente der Schweiz, Dodis