Versorgungsinsel in einer Flut von Vertriebenen

Projekt abgeschlossen
Die medizinische Nothilfe von Ärzte ohne Grenzen Schweiz in Minkamann versorgt fast 100 000 Südsudanesinnen und Südsudanesen. / © MSF

In Minkamann im Zentrum des Südsudans sorgen fünf Kliniken für die medizinische Grundversorgung der Menschen, die wegen der seit Dezember 2013 wütenden Kämpfe vertrieben wurden. Die Tätigkeit von Ärzte ohne Grenzen Schweiz, die von der DEZA unterstützt wird, stellt eine ständige Herausforderung dar. Eine Million Menschen im Südsudan mussten fliehen.

Land/Region Thema Periode Budget
Südsudan
Gesundheit
Wasser
Primäre Gesundheitsversorgung
Trinkwasser und Siedlungshygiene (WASH) (bis 2016)
01.04.2014 - 30.06.2015
CHF 500'000

Jeden Tag kommen neue Menschen ins Flüchtlingslager in der Ortschaft Minkamann, die rund 150km von der Hauptstadt Juba entfernt liegt und durch den Nil von der Stadt Bor getrennt ist. Sie fliehen vor den Kämpfen zwischen den Anhängern des südsudanesischen Präsidenten Salva Kiir und jenen des ehemaligen Vizepräsidenten Riek Machar. Gemäss den Mitarbeitenden von Ärzte ohne Grenzen Schweiz (MSF) vor Ort ist die Lage jetzt aber unter Kontrolle. Die Sterblichkeitsrate liegt unter dem für Notfalleinrichtungen geltenden Wert von einem Todesfall pro 10000Personen pro Tag.

Diese eher ermutigende Bilanz ist den fünf Kliniken zu verdanken, die MSF Anfang Januar 2014 in Minkamann eröffnet hat. Die Arbeit der Organisation wird heute von der DEZA und dem Amt für Humanitäre Hilfe der Europäischen Gemeinschaft (ECHO) finanziell unterstützt. Die medizinische Nothilfe, die MSF aufgebaut hat, kommt fast 100‘000Südsudanesinnen und Südsudanesen zugute.

Von Impfungen bis zu Geburten

Vier der fünf Kliniken sind Ambulatorien. Ein kleines Feldspital, das in einem Zelt eingerichtet wurde, kann rund sechzig Patienten aufnehmen, von Frauen, die geboren haben, bis zu Personen, die auf einen kleinen chirurgischen Eingriff warten. Angeboten wird die ganze Palette der Primär- und Sekundärversorgung: Behandlung von Verletzungen und übertragbaren Krankheiten, Schwangerschaftsuntersuchungen, Geburten, therapeutische (Masern, Meningitis) und präventive Impfungen. Zum ersten Mal überhaupt haben in Minkamann über 50000Personen vorbeugend einen Cholera-Impfstoff erhalten.

Die MSF-Kliniken lindern das Problem der überfüllten oder gar aufgegebenen medizinischen Einrichtungen des Landes. Mit der Unterstützung der Notfallkliniken trägt die DEZA dazu bei, die humanitäre Hilfe der Bevölkerung von Minkamann zugänglich zu machen. 60% der Patientinnen und Patienten sind weniger als fünfJahre alt. Die ansässige Bevölkerung nimmt rund ein Zehntel der erfassten Konsultationen in Anspruch.

Zugang zu Trinkwasser

Neben der medizinischen Versorgung stellt MSF den Vertriebenen auch Trinkwasser zur Verfügung und klärt sie über die Wichtigkeit der Körper- und Lebensmittelhygiene auf. Dies ist angesichts der herrschenden Bedingungen ein anspruchsvolles Unterfangen. Doch mit der Sensibilisierung für einige bewährte Regeln lassen sich die Todesfälle aufgrund von Durchfall und Cholera drastisch senken.

500m3 (500000Liter) Wasser werden täglich aus dem Nil gepumpt, gereinigt, chloriert und über ein vierKilometer langes Leitungsnetz im Lager von Minkamann verteilt. Damit können 40% des Trinkwasserbedarfs der Menschen vor Ort gedeckt werden.

Ein bedeutender Teil der Bevölkerung sind Kinder. Zusammen mit Schwangeren leiden sie am meisten unter unsauberem Wasser. Bei einer Erhebung im Februar 2014 stellte MSF fest, dass zwei Drittel der Patientinnen und Patienten, die wegen blutigem oder wässrigem Durchfall behandelt wurden, Kinder unter fünfJahren waren.

Überschwemmungsgefahr
Mit dem Einsatz von 370 lokalen Angestellten – meist selbst Vertriebene – und rund fünfzig ausländischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kann MSF die Grundversorgung der verletzlichsten Gruppen gewährleisten. Die Aussichten sind jedoch wenig erfreulich. Ständig treffen neue Vertriebene in Minkamann ein. Das dadurch bedingte enge Zusammenleben ist im Moment zwar noch zu bewältigen, aber die Regenzeit im Sommer bereitet MSF grosse Sorgen. Sie könnte zu grossen Schäden führen, wenn Land überschwemmt wird, auf dem sich zahlreiche Familien niedergelassen haben. Daher wurde bereits mit der Evakuation und Neuansiedlung von Vertriebenen begonnen.