Eidgenössisches Departement für
auswärtige Angelegenheiten EDA

COVID-19: Schweizer Hilfe für überlastete Spitäler in Indien

Die Gesundheitssituation in Indien verschlechtert sich im Zusammenhang mit COVID-19 seit einigen Wochen dramatisch. Die Schweiz reagierte und leistet Hilfe. Ein Transportflugzeug der Swiss hob heute Mittag in Zürich mit medizinischen Hilfsgütern, darunter 50 Beatmungsgeräte der Armeeapotheke und Sauerstoff, in Richtung Neu-Delhi ab. Manuel Bessler, Chef der Humanitären Hilfe der Schweiz, koordiniert den Einsatz und gibt Hintergrundeinblicke.

Die Schweiz liefert 600 Sauerstoffkonzentratoren und 50 Beatmungsgeräte nach Indien, um die humanitäre Notlage im Zusammenhang mit COVID-19 abzufedern. © EDA

Donnerstag 6. Mai 2021, Flughafen Zürich: Vereinzelt schlendern Reisende durch die Check-In-Hallen auf der Suche nach einem Café und einem letzten Snack. Nur Hygienemasken, Abstandslinien und negative PCR-Tests, die bei der Registrierung gezeigt werden, zeugen von COVID-19. Beinahe unbeachtet hebt um 14.59 Uhr ein Airbus 330 mit 13 Tonnen Hilfsgüter an Bord ins rund 6000 Kilometer entfernte Neu-Delhi ab, wo die COVID-Realität eine ganz andere ist als in der Schweiz.

Die Lage in Indien spitzt sich zu. Fast täglich vermeldet das Land einen neuen Rekordwert neuer Coronafälle. Am Samstag 1. Mai 2021, hat Indien als erstes Land der Welt mehr 400’000 Neuinfektionen an einem Tag bekannt gegeben. Das Gesundheitssystem des Staats ist überfordert. Die Spitäler sind randvoll. In Grossstäden werden die schlangestehenden COVID-Patienten in Spitälern aufgrund fehlender Kapazitäten abgewiesen. Sauerstoff, Impfstoff und Medikamente fehlen fast überall. Entsprechend steigen auch die Todesfälle im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit. Ein Negativrekord jagt den nächsten.

13 Tonnen Material werden in einen Airbus 330 der Swiss verladen.
13 Tonnen Hilfsgüter für Indien, darunter 600 Sauerstoffkonzentratoren und 50 Beatmungsgeräte, werden am Flughafen Zürich in einen Airbus der Swiss verladen. © EDA

Schweiz federt die humanitäre Notlage in Indien ab

Als Antwort auf einen Aufruf der indischen Regierung um internationale Hilfe hat Bundesrat Ignazio Cassis bereits am 27. April 2021 umgehend dem Staat angeboten, dass die Schweiz in dieser humanitären Notlage das Land mit medizinischen Hilfsgütern im Wert von rund 3 Millionen Franken unterstützt. Der Subkontinent hat letzte Woche das Schweizer Angebot sogleich angenommen. Manuel Bessler, Chef der Humanitären Hilfe der Schweiz, erklärt im Interview die Hintergründe dieser humanitären Hilfsaktion.

Portraitaufnahme von Manuel Bessler, Chef der Humanitären Hilfe des Bundes, bei einer Pressekonferenz
Manuel Bessler, Chef Humanitäre Hilfe des Bundes © Keystone

Herr Bessler, erste Frage, warum hilft die Schweiz Indien?

«Nach dem Hilferuf der indischen Regerigung haben wir, zusammen mit unserer Vertretung in Neu-Dehli und dem indischen Roten Kreuz, die Bedürfnislage analysiert. Dann haben wir sogleich die Beschaffung der dringend benötigten Hilfsgüter an die Hand genommen. Die Schweiz kann helfen und die Schweiz will helfen. Unsere Hilfsgüterlieferung nach Indien ist Ausdruck von Solidarität in der Pandemie und Teil der humanitären Tradition der Schweiz.»

Unsere Hilfsgüterlieferung nach Indien ist Ausdruck von Solidarität in der Pandemie und Teil der humanitären Tradition der Schweiz.
Manuel Bessler, Chef Humanitäre Hilfe des Bundes

Können Sie uns etwas über die Hilfsgüter sagen, die heute nach Neu-Delhi geliefert werden?

«Wir liefern insgesamt 600 Sauerstoffkonzentratoren – ein Apparat, der medizinischen Sauerstoff aus der Umgebungsluft gewinnt – und 50 Beatmungsgeräte, die das VBS aus den Beschaffungen der Armeeapotheke zur Verfügung stellt, nach Indien. Das Schweizer Hilfspaket haben wir in enger Absprache mit dem Indischen Roten Kreuz zusammengestellt. Das von der Schweiz geschickte medizinische Material hat einen Gesamtwert von rund 3 Millionen Franken. Den Grossteil der Kosten übernimmt das VBS, das die Beatmungsgeräte für die Patientinnen und Patienten auf den Intensivstationen zur Verfügung gestellt hat. Die im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) angesiedelte Humanitäre Hilfe des Bundes hat zusätzliche Mittel für das restliche Material bereitgestellt, namentlich die Sauerstoffkonzentratoren, sowie für die Übernahme der Transportkosten.»

Wer beaufsichtigt die Bereitstellung dieser Hilfe vor Ort?

«Die Schweizer Botschaft in Neu-Delhi unternimmt alle notwendigen Schritte, um sicherzustellen, dass die Hilfsgüter ihren Bestimmungsort erreichen. Das Indische Rote Kreuz wird das Material am Flughafen in der indischen Hauptstadt in Empfang nehmen. Dann kümmert sich das lokale Gesundheitsministerium um die Verteilung der Geräte an Krankenhäuser, die das Material am dringendsten benötigen.»

Um 1.44 Uhr (Lokalzeit) ist der Airbus der Swiss mit medizinischen Hilfsgütern in Neu-Delhi gelandet. © EDA

War dieser Einsatz eine logistische Herausforderung?

«Ja, dieser Einsatz erforderte viel Koordination hier in der Schweiz, wie auch vor Ort mit unserer Botschaft in Neu-Dehli und den indischen Behörden. Die Beatmungsgeräte werden uns von der Armeeapotheke kostenlos zur Verfügung gestellt. Das weitere Material musste in der Schweiz bei privaten Firmen beschafft werden. Sehr wichtig war, dass alles Material rechtzeitig für den heutigen Abflug nach Kloten transportiert wurde. Dann musste der Charterflug mit der Swiss organisiert werden. All das inmitten in der Coronapandemie war natürlich für alle Beteiligten eine grosse Herausforderung.»

Unparteiisch und solidarisch: Die humanitäre Tradition der Schweiz

Der gute Ruf der Schweiz im Ausland beruht unter anderem auf ihrer humanitären Tradition. In seiner Aussenpolitischen Strategie 2020–-2023 (APS) sieht der Bundesrat vor, dass die Schweiz bei Krisen, in bewaffneten Konflikten, während Katastrophen und auch in humanitären Notlagen Hilfsaufträge unparteiisch und solidarisch wahrnimmt. Die Bedürfnisse der Menschen stehen im Zentrum; ihre Sicherheit, ihre Würde und ihre Rechte sollen garantiert werden. 

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