Bilaterale Beziehungen Schweiz–Südafrika

Die Schweiz und Südafrika verbinden vielfältige und enge Beziehungen. Südafrika ist ein strategischer Partner der Schweiz und seit Langem einer der wichtigsten Wirtschaftspartner auf dem afrikanischen Kontinent. Schwerpunkte der Zusammenarbeit auf Regierungsebene sind die wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie Bildung, Forschung und Innovation.

Schwerpunkte der diplomatischen Beziehungen

Im März 2008 unterzeichneten die Schweiz und Südafrika ein Memorandum of Understanding über den Ausbau der Zusammenarbeit in den Bereichen Frieden, Sicherheit und Menschenrechte, Wirtschaft und Handel, wirtschaftliche Entwicklung, Migration, Aus- und Weiterbildung sowie Wissenschaft und Kultur. Seither finden jährlich politische Konsultationen auf Ministerebene statt, bei denen sich die beiden Länder über laufende und zukünftige Kooperationen austauschen.

Ein Doppelbesteuerungsabkommen und eine gemeinsame Erklärung über den automatischen Informationsaustausch in Steuersachen regeln die Zusammenarbeit im Finanzbereich. Ein Abkommen zwischen der Zollunion des südlichen Afrika (SACU) und der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) erleichtern den Handel. 

Datenbank Staatsverträge

Southern African Development Community (en)

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

Südafrika ist einer der wichtigsten Wirtschaftspartner der Schweiz auf dem afrikanischen Kontinent. Das bilaterale Handelsvolumen erreichte 2019 über 3,5 Milliarden CHF. Die Schweiz importiert insbesondere Edelmetalle, während Südafrika pharmazeutische Erzeugnisse, Maschinen, Präzisionsinstrumente und Uhren einführt.

Die über 100 Schweizer Firmen mit Niederlassungen oder Produktionsstätten in Südafrika haben zur Schaffung von rund 50’000 Arbeitsplätzen beigetragen. In der Schweizer Botschaft in Pretoria ist ein Swiss Business Hub zur Handels- und Investitionsförderung integriert.

Handelsförderung, Switzerland Global Enterprise SGE

 SwissCham Southern Africa (en)

Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation

Das Abkommen über wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit, das 2007 unterzeichnet wurde, bildet die Grundlage für das schweizerisch-südafrikanische Forschungsprogramm (Swiss South Africa Joint Research Programme, SSAJRP). 

Seither hat das SSAJRP 61 gemeinsame Forschungsprojekte unterstützt, die vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und vom Nationalen Forschungsfonds Südafrikas (NRF) umgesetzt wurden, namentlich in folgenden Bereichen: saubere und umweltfreundliche Technologien, nachhaltige Systeme, übertragbare und nichtübertragbare Krankheiten, Big Data mit Schwerpunkt Astronomie, Sozial- und Geisteswissenschaften. Mit dem Ziel, die bilaterale Forschungszusammenarbeit weiter auszubauen, haben der SNF und der NRF 2020 ein «Lead Agency Agreement» abgeschlossen. Das Lead-Agency-Verfahren ist Teil der Projektförderung des SNF und richtet sich an Forschende in der Schweiz und in Südafrika, die gemeinsame Forschungsprojekte durchführen wollen.

Auch ausserhalb der formellen Forschungsprojekte werden gemeinsame Forschungsvorhaben gefördert, namentlich Besuche von schweizerischen und südafrikanischen Forschenden in der Schweiz bzw. in Südafrika.  

Forschende und Studierende aus Südafrika können sich beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) um Bundes-Exzellenz-Stipendien bewerben. 

Das schweizerisch-südafrikanische Unternehmensentwicklungsprogramm (Swiss South African Business Development Programme, SSABDP) ist das zweite Aushängeschild des schweizerisch-südafrikanischen Forschungsprogramms. Es bringt junge Unternehmer aus der Schweiz und Südafrika zusammen, um innovative Ansätze und den Aufbau unternehmerischer Netzwerke über Kontinente hinweg zu fördern. Diese Gast-Start-ups werden «Swiss/South African Venture Leaders» genannt.

Universität Basel, gemeinsames Forschungsprogramm Schweiz-Südafrika (en)

Universität Basel, gemeinsames Forschungsprogramm Schweiz-Südafrika, Ausbildung Hochschulen – Industrie (en)

Bundes-Exzellenz-Stipendien für ausländische Forschende und Kunstschaffende SBFI

Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (SECO)

Südafrika ist ein Schwerpunktland des Programms für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO). Das SECO will in Südafrika in erster Linie ein inklusives und umweltfreundliches Wachstum fördern, das zur Schaffung von Arbeitsplätzen, zur Stärkung der Resilienz und zum Abbau von Ungleichheiten beiträgt. Für den Zeitraum von 2017 bis 2020 sah das SECO für Aktivitäten in Südafrika insgesamt 55 Millionen CHF vor. Der Fokus lag auf der Förderung eines effizienten öffentlichen Sektors und einer soliden Finanzgouvernanz, einer wettbewerbsfähigen und inklusiven Wirtschaft, die eine nachhaltige Beschäftigung und eine Integration in die internationalen Wertschöpfungsketten sicherstellt, sowie eines klima- und umweltfreundlichen Wachstums durch kohlenstoffarme Industrien. 

SECO-Länderstrategie für Südafrika 2017–2020 (en)

SECO

Schweizerinnen und Schweizer in Südafrika

Ende 2019 lebten 8403 Schweizerinnen und Schweizer in Südafrika, namentlich in den zwei wirtschaftlich stärksten Provinzen des Landes, in Gauteng und in Western Cape. Dies ist mit Abstand die grösste Schweizer Kolonie auf dem afrikanischen Kontinent. Sie macht fast die Hälfte der gesamten Auslandschweizergemeinschaft in Afrika aus.

Kulturaustausch

Die Schweiz und Südafrika pflegen einen regen kulturellen Austausch, hauptsächlich in den Sparten Musik und Tanz. Häufig engagieren sich private Partner in diesem Bereich. Pro Helvetia ist mit einer Aussenstelle in Johannesburg vertreten.

Büro von Pro Helvetia in Johannesburg

Geschichte der bilateralen Beziehungen

Nach der Ankunft der ersten Schweizerinnen und Schweizer in Südafrika erlebte der Handel in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen raschen Aufschwung.

Das erste Schweizer Konsulat in Südafrika wurde 1887 in Pretoria eröffnet, gefolgt von einem Konsulat in Kapstadt im Jahr 1916. Die Vertretung in Pretoria erhielt 1960 den Status einer Botschaft.

Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) engagierte sich bereits in der Endphase des Apartheidregimes Anfang der 1990er-Jahre in Südafrika und setzte sich für einen möglichst gewaltlosen Übergang zum neuen politischen System ein. An den ersten demokratischen Wahlen in Südafrika 1994 nahmen 100 Schweizer Wahlbeobachterinnen und Wahlbeobachter teil. Die Schweiz unterstützte auch die Arbeit der südafrikanischen Wahrheits- und Versöhnungskommission (Truth and Reconciliation Commission, TRC).

Südafrika, Historisches Lexikon der Schweiz (de, fr, it)